Definition
Ursachen und Symptome
Diagnose und Schweregrade
Professionelle Hilfe und Behandlung
Alltagstipps und Hilfsmittel
Überlaufinkontinenz verstehen
Ein ständiges Tröpfeln, eine Blase, die sich nie ganz leer anfühlt – und trotzdem kaum Harndrang. Überlaufinkontinenz ist eine wenig bekannte, aber ernst zu nehmende Form der Blasenschwäche, die oft lange unerkannt bleibt. Viele Betroffene wissen nicht, warum ihr Körper scheinbar widersprüchliche Signale sendet, oder warum der Urin „einfach läuft“. In diesem Artikel erfährst Du, wie es zur Überlaufinkontinenz kommt, woran Du sie erkennst und welche Möglichkeiten es gibt, wieder mehr Kontrolle und Sicherheit im Alltag zu gewinnen.
Definition
Bei der Überlaufinkontinenz ist die Blase dauerhaft überfüllt, weil sie sich nicht mehr vollständig entleeren kann. Der Urin sammelt sich über längere Zeit an, bis der Druck in der Blase so groß wird, dass es zu einem unwillkürlichen Tröpfeln kommt – oft ohne ausgeprägten Harndrang. Viele Betroffene gehen zwar regelmäßig zur Toilette, können dabei jedoch nur kleine Urinmengen abgeben, während viel Restharn in der Blase zurückbleibt.
Ursächlich ist meist entweder eine mechanische Blockade des Harnabflusses (zum Beispiel durch eine vergrößerte Prostata, Engstellen oder Tumore) oder eine Funktionsstörung des Blasenmuskels, der sich nicht mehr ausreichend zusammenziehen kann. In beiden Fällen verliert die Blase ihre Fähigkeit, sich kontrolliert zu entleeren, und dehnt sich zunehmend aus. Dieses paradoxe Zusammenspiel aus voller Blase und gleichzeitigem Harnverlust wird medizinisch als Ischuria paradoxa bezeichnet.
Die Überlaufinkontinenz gilt als eine fortgeschrittene Form der Harninkontinenz, tritt häufiger bei Männern auf und bleibt oft lange unerkannt. Da ein dauerhafter Harnstau die Nieren schädigen kann, ist eine frühzeitige medizinische Abklärung besonders wichtig.
Ursachen und Symptome
Bei der Überlaufinkontinenz steht nicht der plötzliche Urinverlust im Vordergrund, sondern eine Störung der Blasenentleerung. Genau genommen handelt es sich also nicht um eine klassische Harninkontinenz, sondern um die Folge einer Blase, die sich nicht mehr richtig entleeren kann. Mit der Zeit steigt der Druck so stark an, dass kleine Urinmengen das Abflusshindernis überwinden – es kommt zum typischen, kontinuierlichen Tröpfeln.
Typische Symptome
Das ständige Harntröpfeln ist das Leitsymptom der Überlaufinkontinenz. Daneben können weitere Beschwerden auftreten, die oft über längere Zeit fehlinterpretiert oder bagatellisiert werden:
- anhaltender Harndrang
- verzögerter Beginn des Wasserlassens
- unterbrochener oder schwacher Harnstrahl
- spürbares Restharngefühl nach dem Toilettengang
- häufiges Wasserlassen bei gleichzeitig geringer Urinmenge
- Schmerzen oder Druckgefühl im Unterleib
In fortgeschrittenen Fällen kann es sogar zu einem kompletten Unvermögen kommen, die Blase zu entleeren, einem sogenannten Harnverhalt.
Bei der Überlaufinkontinenz ist die Blase dauerhaft überfüllt. Der Urin sammelt sich über längere Zeit an, bis der Druck in der Blase so groß wird, dass es zu einem unwillkürlichen Tröpfeln kommt.
Wichtig: Harnverhalt frühzeitig verhindern
Während sich eine Überlaufblase meist schleichend entwickelt, tritt ein akuter Harnverhalt plötzlich auf. Er geht mit starken Schmerzen im Unterleib einher und stellt einen medizinischen Notfall dar, der sofort behandelt werden muss. Umso wichtiger ist es, frühzeitig ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen, wenn Du Anzeichen einer gestörten Blasenentleerung bemerkst – bevor es zu einer akuten Situation kommt.
Arten der Überlaufinkontinenz
Grundsätzlich werden zwei Formen der Überlaufinkontinenz unterschieden, je nachdem, wodurch die Blasenentleerung gestört ist:
- Obstruktive Überlaufinkontinenz
Bei dieser Form ist der Blasenausgang verengt oder blockiert. Der Urin kann nicht ungehindert abfließen und staut sich in der Blase. Trotz zunehmender Füllung bleibt eine vollständige Entleerung aus. - Funktionelle Überlaufinkontinenz
Hier liegt das Problem nicht im Abfluss, sondern in der Blasenmuskulatur selbst. Sie ist zu schwach oder wird nicht ausreichend angesteuert, um sich kräftig genug zusammenzuziehen. Die Blase kann den Urin nicht mehr aktiv entleeren.
Ursachen bei Frauen
Bei Frauen entsteht eine Überlaufblase häufiger durch eine funktionelle Störung, also eine geschwächte Blasenmuskulatur. Auslöser können neurologische Erkrankungen wie Morbus Parkinson, Demenz oder Multiple Sklerose sein.
Auch Nervenschädigungen spielen eine Rolle, etwa als Folge von Diabetes mellitus. Zusätzlich können bestimmte Medikamente – zum Beispiel einige Beruhigungs- oder Antidepressiva – die Blasenfunktion beeinträchtigen.
Seltener liegt eine obstruktive Ursache vor, etwa bei einer Gebärmuttersenkung, die den Harnabfluss mechanisch behindert. Tumore oder Harnsteine sind bei Frauen vergleichsweise selten Auslöser einer Überlaufinkontinenz.
Ursachen bei Männern
Bei Männern ist die häufigste Ursache eine gutartige Vergrößerung der Prostata. Sie kann die Harnröhre zunehmend einengen, sodass der Urin nicht mehr frei abfließen kann. Da diese Veränderung viele Männer ab etwa 50 Jahren betrifft, tritt die Überlaufinkontinenz bei ihnen insgesamt häufiger auf als bei Frauen.
Eine weitere mögliche Ursache ist Prostatakrebs, bei dem ein Tumor den Harnabfluss blockieren kann.
Die Ursachen einer funktionellen Überlaufinkontinenz sind bei Männern und Frauen ähnlich. Auch hier können neurologische Erkrankungen wie Parkinson, Demenz oder Multiple Sklerose sowie Nervenschädigungen durch Diabetes mellitus oder bestimmte Medikamente zu einer Schwächung der Blasenmuskulatur führen.
Diagnose und Schweregrade
Oft gibt bereits die körperliche Untersuchung erste Hinweise. Ein sichtbar oder tastbar geschwollener Unterbauch kann darauf hindeuten, dass die Harnblase stark überdehnt ist. Besonders bei schlanken Menschen ist dies manchmal sogar von außen erkennbar.
Ein zentrales diagnostisches Verfahren ist der Ultraschall. Damit kann die Ärztin oder der Arzt beurteilen, wie groß die Harnblase ist und wie viel Urin sich noch darin befindet, nachdem Du versucht hast, sie zu entleeren. Eine stark gefüllte Blase trotz Toilettengang ist ein typisches Zeichen für eine Überlaufblase.
Zusätzlich wird häufig eine Harnstrahlmessung (Uroflowmetrie) durchgeführt. Sie zeigt, wie kräftig und gleichmäßig der Urin fließt. In Kombination mit einer anschließenden Restharnbestimmung lässt sich gut einschätzen, wie ausgeprägt die Entleerungsstörung ist und wie stark die Überlaufinkontinenz bereits fortgeschritten ist.
Ursachen gezielt abklären
Zur Diagnose gehört immer auch die Frage: Warum kann sich die Blase nicht mehr richtig entleeren? Denn die Behandlung richtet sich konsequent nach der Ursache. Je nach Verdacht können weitere Untersuchungen sinnvoll sein, zum Beispiel:
- bildgebende Verfahren wie eine Computertomographie (CT), um Tumore oder andere Raumforderungen im Bauch- oder Beckenbereich auszuschließen
- Blut- und Urinuntersuchungen, um Hinweise auf Infektionen, Entzündungen, Stoffwechselerkrankungen oder Nierenbelastungen zu erhalten
- gegebenenfalls neurologische Untersuchungen, wenn der Verdacht auf eine Störung der Nervensteuerung besteht
Gibt es Schweregrade bei der Überlaufinkontinenz?
Anders als bei anderen Formen der Harninkontinenz gibt es bei der Überlaufinkontinenz keine offiziell definierten Schweregrade. In der medizinischen Praxis wird das Ausmaß daher nicht in Stufen eingeteilt, sondern anhand objektiver Befunde bewertet.
Dazu zählen vor allem:
- die Menge des verbleibenden Restharns
- der Grad der Blasenüberdehnung
- die Stärke und Dauer des kontinuierlichen Harntröpfelns
- das Vorliegen von Begleiterscheinungen wie Schmerzen, Infektionen oder Harnverhalt
Wichtig: Je mehr Urin dauerhaft in der Blase zurückbleibt, desto höher ist die Belastung für Harnwege und Nieren – desto dringlicher wird die Behandlung.
Verlauf statt Stufen
Auch wenn es keine formalen Schweregrade gibt, unterscheiden Ärzt:innen häufig zwischen verschiedenen Verlaufsformen, um die Situation besser einschätzen zu können:
- frühe Phase: erhöhter Restharn, häufiges Wasserlassen, kaum Schmerzen
- fortgeschrittene Phase: deutlich vergrößerte Blase, anhaltendes Tröpfeln, spürbarer Druck im Unterleib
- komplizierter Verlauf: Harnverhalt, wiederkehrende Harnwegsinfekte, Rückstau bis in die Nieren
Diese Einordnung hilft vor allem dabei, die Dringlichkeit der Therapie festzulegen und gesundheitliche Risiken zu minimieren.
Professionelle Hilfe und Behandlung
Bei Anzeichen einer Überlaufinkontinenz ist es wichtig, frühzeitig professionelle Hilfe bei einer Urologin oder einem Urologen zu suchen – bei Frauen kann auch die Gynäkologin oder der Gynäkologe die erste Anlaufstelle sein. Eine schnelle Abklärung hilft, die passende Therapie rechtzeitig einzuleiten und Folgeschäden zu vermeiden. Die Behandlung einer Überlaufblase hängt immer von der zugrunde liegenden Erkrankung und vom individuellen Leidensdruck ab. Eine Abklärung ist wichtig, um ernste Erkrankungen nicht zu übersehen und die passende Therapie einzuleiten. Häufig ist der erste Schritt eine kontrollierte Entleerung der Harnblase. Dabei wird die Blase mithilfe eines Harnröhrenkatheters vollständig entlastet. Das kann akute Beschwerden lindern und verhindert, dass sich der Urin weiter zurückstaut. Je nach Befund schließen sich weitere Maßnahmen an.
Obstruktive Überlaufinkontinenz
In diesem Fall liegt das Problem im behinderten Harnabfluss. In diesem Fall muss das Hindernis beseitigt werden, das die Harnröhre einengt oder vor dem Blasenausgang liegt. Dies geschieht häufig zunächst medikamentös. Reicht das nicht aus, kann ein operativer Eingriff notwendig sein – etwa die chirurgische Verkleinerung einer vergrößerten Prostata, damit der Urin wieder ungehindert abfließen kann.
Funktionelle Überlaufinkontinenz
Hier steht die Aktivierung der geschwächten Blasenmuskulatur im Vordergrund. Hier kommen Medikamente zum Einsatz, die die Blasenfunktion unterstützen. Ergänzend kann eine Elektrostimulation helfen, die Muskelaktivität und die nervale Steuerung der Blase zu verbessern.
Alltagstipps und Hilfsmittel
Neben der medizinischen Behandlung kannst Du im Alltag einiges tun, um mit einer Überlaufinkontinenz sicherer und entspannter umzugehen. Wichtig ist vor allem, die Blase regelmäßig und bewusst zu entleeren. Feste Toilettenzeiten – auch ohne starken Harndrang – können helfen, weiteren Urinstau zu vermeiden. Manchmal ist es sinnvoll, nach dem Wasserlassen kurz zu warten und es ein zweites Mal zu versuchen, um möglichst viel Restharn loszuwerden.
Achte außerdem auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr. Weniger zu trinken, verschlimmert die Situation oft, weil der Urin konzentrierter wird und die Blase zusätzlich reizt. Zwei Liter pro Tag sind für viele Menschen ein guter Richtwert, sofern keine ärztlichen Gründe dagegensprechen.
Hilfsmittel
Für den Alltag bieten passende Inkontinenzhilfsmittel mehr Sicherheit und Schutz. Bei Überlaufinkontinenz eignen sich vor allem Produkte, die auf kontinuierliches Tröpfeln ausgelegt sind. Die Auswahl an Inkontinenzmaterialien ist groß. Lass Dich dazu am besten von uns beraten.
Tipp:
Unter bestimmten Voraussetzungen erhältst Du von Deiner Krankenkasse einen Zuschuss für Inkontinenz-Artikel. Voraussetzung ist eine ärztliche Verordnung.
Nicht zuletzt gilt: Sprich offen mit Deiner Ärztin oder Deinem Arzt über Beschwerden, Unsicherheiten oder Einschränkungen. Gut abgestimmte Hilfsmittel und kleine Anpassungen im Alltag können Deine Lebensqualität spürbar verbessern.
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