Inkontinenz und Diabetes – die unterschätzte Verbind

Inkontinenz ist kein seltenes Problem – und doch eines, über das kaum gesprochen wird. Schätzungen zufolge leben rund 10 % der Menschen in Deutschland mit einer oder mehreren Formen von Inkontinenz. Besonders häufig betroffen sind Menschen mit Diabetes: Laut Schätzungen entwickeln bis zu zwei Drittel aller Diabetesbetroffenen entsprechende Symptome. Unnötigerweise bleibt das Problem oft unerwähnt, sodass Diagnose und Behandlung verzögert werden. Dabei gilt: Inkontinenz ist kein Tabuthema und kein Schicksal, das Du einfach hinnehmen musst.

Frau mit Diabetes-Spritze

Was hat Diabetes mit Inkontinenz zu tun?

Inkontinenz nimmt mit dem Alter zwar generell zu, doch Menschen mit Diabetes haben unabhängig davon ein deutlich höheres Risiko für Blasen- und Darmprobleme. Studien zeigen, dass sie im Vergleich zu stoffwechselgesunden Menschen etwa doppelt so häufig von Blasenstörungen oder Harninkontinenz betroffen sind – Frauen und Männer gleichermaßen. Schätzungen zufolge berichten sogar rund zwei Drittel aller Diabetesbetroffenen über entsprechende Beschwerden.

Hohe Zuckerwerte

Ein wichtiger Grund ist der dauerhaft erhöhte Blutzucker. Er führt dazu, dass vermehrt Zucker über den Urin ausgeschieden wird. Die Nieren scheiden dann mehr Wasser aus, die Blase wird stärker belastet und muss häufiger entleert werden. Langfristig können hohe Zuckerwerte zudem Nerven und Blutgefäße schädigen. Sind die Blasennerven betroffen, spricht man von einer diabetischen Zystopathie: Das Gefühl für die Blasenfüllung lässt nach, die Entleerung funktioniert nicht mehr zuverlässig, Restharn bleibt zurück. Das begünstigt Infektionen und kann bis zur schweren Harninkontinenz führen. Auch Stuhlinkontinenz tritt bei Diabetes häufiger auf. Auch hier spielen Nervenschädigungen eine zentrale Rolle: Eine diabetische Neuropathie kann die Nerven beeinträchtigen, die den Enddarm und den Schließmuskel steuern. Zusätzlich können häufige Durchfälle infolge einer gestörten Darmbewegung die Kontrolle über den Stuhlgang weiter erschweren. Eine gute Blutzuckereinstellung kann diese Entwicklungen positiv beeinflussen oder hinauszögern.

Diabetes mellitus

Bei dieser chronischen Stoffwechselerkrankung ist der Blutzuckerspiegel dauerhaft erhöht. Umgangssprachlich wird meist einfach von Diabetes gesprochen – gemeint ist fast immer Diabetes mellitus.

Diabetes Typ 1

Bei Typ 1 bildet der Körper kein Insulin mehr, meist aufgrund einer Autoimmunreaktion. Die Erkrankung beginnt häufig schon im Kindes- oder Jugendalter. Betroffene sind lebenslang auf Insulin angewiesen.

Diabetes Typ 2

Bei Typ 2 ist Insulin zwar vorhanden, wirkt aber nicht mehr ausreichend. Diese Form entwickelt sich meist schleichend und tritt häufiger im Erwachsenenalter auf. Bewegung, Ernährung, Medikamente und ggf. Insulin sind Bestandteile der Therapie.

Wichtig: Nicht zu verwechseln mit Diabetes insipidus, einer seltenen hormonellen Erkrankung, bei der der Körper den Wasserhaushalt nicht richtig regulieren kann. Sie hat nichts mit dem bekannten Diabetes mellitus zu tun.

Welche Formen der Inkontinenz treten bei Diabetes auf?

Bei Menschen mit Diabetes können verschiedene Formen der Inkontinenz auftreten. Welche davon sich entwickelt, hängt unter anderem davon ab, ob vor allem Nerven, Blasenmuskulatur, Beckenboden oder mehrere Faktoren zugleich betroffen sind.

  • Überlaufinkontinenz (Verlinkung, sobald Artikel online ist) entsteht häufig infolge einer diabetischen Nervenschädigung. Die Blase verliert das Gefühl für ihre Füllung und kann sich nicht mehr vollständig entleeren. Es bleibt Restharn zurück, die Blase überdehnt sich – und Urin geht schließlich tröpfchenweise unkontrolliert ab.
  • Sehr häufig ist auch die Dranginkontinenz beziehungsweise eine überaktive Blase. Sie äußert sich durch plötzlichen, kaum zu unterdrückenden Harndrang, häufiges Wasserlassen und nächtliches Aufstehen (Nykturie). Ursache können nervale Störungen oder eine chronische Reizung der Blase sein.
  • Die Belastungsinkontinenz tritt bei Diabetes meist indirekt auf, etwa durch eine geschwächte Beckenbodenmuskulatur, Übergewicht oder altersbedingte Veränderungen. Urinverlust entsteht dann bei Husten, Lachen oder körperlicher Anstrengung.
  • Nicht selten liegt eine Mischinkontinenz vor, bei der sich Drang- und Belastungssymptome überlagern. Gerade deshalb ist eine genaue Abklärung wichtig, um die Behandlung gezielt anzupassen.

Symptome und erste Warnsignale

Blasen- und Darmprobleme entwickeln sich bei Menschen mit Diabetes oft schleichend. Gerade deshalb werden erste Warnsignale leicht übersehen oder nicht mit der Grunderkrankung in Verbindung gebracht. Umso wichtiger ist es, früh aufmerksam zu sein – auch dann, wenn die Beschwerden noch milde erscheinen.

Typische Anzeichen früh erkennen

Hinweise auf eine gestörte Blasenfunktion können sich sehr unterschiedlich äußern: von verändertem Harndrang über Probleme beim Wasserlassen bis hin zu unfreiwilligem Urinverlust. Auch wiederkehrende Harnwegsinfekte oder das Gefühl, die Blase nicht vollständig entleeren zu können, sind ernst zu nehmende Signale. 

Häufige Symptome:

  • Häufiger Harndrang (besonders nachts)
  • Schwierigkeiten beim Wasserlassen und schwacher Harnstrahl
  • Gefühl der unvollständigen Blasenentleerung
  • Plötzlicher starker Harndrang (überaktive Blase)
  • Unkontrollierter Urinverlust (Belastungs- oder Überlaufinkontinenz)
  • Auch Stuhlinkontinenz kann auftreten

Regelmäßige Kontrolle

Fachleute empfehlen, Menschen mit Diabetes mindestens einmal jährlich gezielt nach Harntraktsymptomen zu befragen – auch wenn subjektiv keine Beschwerden vorliegen. Bei bestehenden Problemen kann ein Blasentagebuch über drei Tage helfen, Trink- und Toilettengewohnheiten sichtbar zu machen und die Ursache einzugrenzen. Eine weiterführende Abklärung ist besonders wichtig bei Inkontinenz, auffälliger Blasenfüllung oder mehr als drei symptomatischen Harnwegsinfekten pro Jahr. Früh erkannt lassen sich viele Folgeschäden vermeiden.

Behandlungsmöglichkeiten

Am Anfang steht immer eine sorgfältige Abklärung. Denn bei Diabetes können unterschiedliche Formen der Inkontinenz auftreten – manchmal auch kombiniert. Erst wenn klar ist, ob zum Beispiel eine Drang-, Belastungs- oder eine Entleerungsstörung vorliegt, lässt sich die Behandlung gezielt auswählen. Dazu gehört auch ein Blick auf die Diabetes-Medikation: Bestimmte Wirkstoffe wie SGLT2-Hemmer (Gliflozine) können durch ihre Wirkweise häufigeres Wasserlassen oder verstärkten Harndrang begünstigen und so bestehende Beschwerden beeinflussen. Wichtig ist, diese Zusammenhänge ärztlich einzuordnen und Medikamente nicht eigenständig zu verändern.

Stoffwechsel und Alltag

Unabhängig von der Inkontinenzform spielt eine möglichst gute Blutzuckereinstellung eine zentrale Rolle. Hohe Zuckerwerte fördern vermehrten Harndrang und können langfristig die Nervenfunktion der Blase beeinträchtigen. Ergänzend helfen alltagstaugliche Maßnahmen, etwa angepasstes Trinkverhalten, regelmäßige Toilettengänge, Bewegung und – je nach Situation – Blasentraining.

Dranginkontinenz 

Steht ein plötzlicher, kaum kontrollierbarer Harndrang im Vordergrund, kommen zunächst nicht-medikamentöse Maßnahmen wie Blasen- und Verhaltenstraining zum Einsatz. Reicht das nicht aus, können Medikamente die überaktive Blasenmuskulatur beruhigen. Bei therapieresistenten Beschwerden stehen spezialisierte Verfahren zur Verfügung.

Überlaufinkontinenz 

Bei diabetesbedingten Nervenschäden kann sich die Blase nicht mehr vollständig entleeren. Ziel der Behandlung ist es dann, Restharn zu vermeiden – etwa durch feste Entleerungszeiten oder, falls nötig, einen regelmäßig durchgeführten Selbstkatheterismus unter ärztlicher Anleitung.

Belastungsinkontinenz

Hier ist gezieltes, professionell angeleitetes Beckenbodentraining die wichtigste Therapie. Wenn konservative Maßnahmen nicht ausreichen, können unterstützende Hilfsmittel oder operative Verfahren in Betracht gezogen werden.

Liegt eine Kombination mehrerer Formen vor, wird die Behandlung individuell kombiniert. Sie orientiert sich daran, welche Beschwerden Dich im Alltag am meisten einschränken.

Tipps und Hilfe

Kleine Veränderungen im Alltag können viel bewirken:

  • Verteile Deine Trinkmenge gleichmäßig über den Tag
  • Gehe regelmäßig zur Toilette
  • Stärke Deinen Beckenboden – am besten mit gezielten Übungen
  • Auch ein achtsamer Umgang mit Kaffee und Alkohol kann helfen, die Blase zu entlasten 

Für zusätzliche Sicherheit im Alltag bieten passende Hilfsmittel, etwa von Seni, zuverlässigen Schutz und ein angenehmes Tragegefühl – diskret und auf unterschiedliche Bedürfnisse abgestimmt. Für Männer, für Frauen, speziell für nachts, für starken Urinverlust oder nur ein paar Tröpfchen, oder auch für Kinder – SENI bietet die richtigen Produkte für die unterschiedlichsten Betroffenen.

Und ganz wichtig: Du bist mit Deinen Beschwerden nicht allein. Inkontinenz ist behandelbar, und mit der richtigen Unterstützung lässt sich Lebensqualität zurückgewinnen.

 

 




Fragebogen Testpaket

Finde jetzt Dein perfektes #lebenohnedruck Testpaket

Finde jetzt raus, welches Produkt Dir am besten helfen kann und bestell Dir kostenlos Dein Leben ohne Druck Testpaket. 




Entdecke weitere Blogtexte

Sanfte Helfer – Alternative Heilmethoden bei Inkontinenz

Harninkontinenz kann das Leben erheblich beeinträchtigen und erfordert oft eine umfassende medizinische Behandlung. Neben konventionellen schulmedizinischen Therapien gewinnen auch alternative Heilmethoden an Popularität. Für wen sind diese „sanften Heilmethoden“ wie TCM (Traditionelle Chinesiche Medizin), Yoga oder Biofeedback geeignet und was bringen sie? Alles über die natürlichen Ansätze jenseits der Schulmedizin erfährst Du hier.

Zum Beitrag
Kleines Band mit großer Wirkung – das TVT-Band

Belastungsinkontinenz kann Deinen Alltag unangenehm einschränken – beim Lachen, beim Sport, manchmal sogar im ganz normalen Leben. Doch es gibt wirksame Lösungen, die Dir Deine Freiheit zurückgeben können. Heute zählt die Vaginalschlinge zu den erfolgreichsten Methoden: ein kleines Band, das die Harnröhre stabilisiert und unkontrollierten Harnverlust zuverlässig verhindert. In diesem Artikel erfährst Du, wie Vaginalschlingen funktionieren, wann sie zum Einsatz kommen und warum sie für viele Frauen ein echter Wendepunkt sein können. 

Zum Beitrag
Stuhlinkontinenz verstehen: Ursachen, Therapien und Hilfsmittel

Stuhlinkontinenz – für viele ein Tabuthema, über das man nur ungern spricht. Doch gerade dieses Schweigen macht es Betroffenen oft noch schwerer. Dabei gibt es zahlreiche Wege, die Beschwerden zu lindern und die Kontrolle zurückzugewinnen. In unserem Ratgeber erfährst Du, welche Ursachen dahinterstecken, wie die Diagnose gestellt wird und welche Therapie- und Hilfsmöglichkeiten es gibt. Denn Stuhlinkontinenz ist in vielen Fällen gut behandelbar.  

Zum Beitrag