Welcher Arzt ist der richtige Ansprechpartner bei Inkontinenz?

Ein paar Tropfen beim Niesen. Plötzlich so starker Harndrang, dass die Toilette kaum noch rechtzeitig erreichbar ist. Oder Spuren in der Unterwäsche, obwohl der Toilettengang längst vorbei ist. Wer solche Veränderungen bemerkt, fragt sich häufig nicht nur: Was ist mit mir los?, sondern auch: Zu welchem Arzt gehe ich damit überhaupt? 
 
Die kurze Antwort: Bei Harninkontinenz sind Hausarztpraxis, Urologie und bei Frauen auch die Gynäkologie mögliche erste Anlaufstellen. Bei Stuhlinkontinenz ist eine proktologische Abklärung besonders sinnvoll. Wenn Beschwerden komplex sind, Blase und Darm gleichzeitig betreffen oder bisherige Behandlungen nicht ausreichend helfen, kann ein spezialisiertes Kontinenz- und Beckenbodenzentrum die richtige Adresse sein. 

Verschiedene Fachärzte und Ärztinnen stehen nebeneinander und lächeln

Alles rund um Inkontinenz

„Inkontinenz“ ist zunächst ein Oberbegriff. Gemeint ist, dass Urin oder Stuhl nicht immer willentlich zurückgehalten werden kann. Hinter diesem Symptom können sehr unterschiedliche Ursachen stecken – und genau deshalb gibt es auch nicht die eine Behandlung, die für alle Betroffenen gleichermaßen geeignet ist. 

Schnelle Orientierung: Wohin bei Inkontinenz?

  • Urin geht ungewollt verloren: Hausarztpraxis, Urologie oder bei Frauen Gynäkologie
  • Stuhl lässt sich nicht sicher halten: Hausarztpraxis oder direkt Proktologie
  • Beckenbodensenkung oder Beschwerden nach Schwangerschaft/Geburt: Gynäkologie beziehungsweise Urogynäkologie
  • Blase und Darm sind betroffen oder die Ursache ist unklar: Kontinenz- und Beckenbodenzentrum
  • Du bist unsicher: Auch Deine Hausarztpraxis kann die erste Orientierung übernehmen und Dich bei Bedarf weiterüberweisen. 

Für die Wahl der richtigen Therapie ist zunächst entscheidend: Handelt es sich um Harn- oder Stuhlinkontinenz? Welche Form liegt vor? Und wodurch wird sie ausgelöst? 

Arten von Inkontinenz

Wer nach den „vier Arten der Inkontinenz“ sucht, meint meist die häufig genannten Formen der Harninkontinenz. Tatsächlich gibt es darüber hinaus weitere Formen. Zu den wichtigen gehören: 

  • Belastungsinkontinenz: Urin geht beispielsweise beim Husten, Niesen, Lachen, Springen oder Heben verloren. Ursache kann eine Schwäche von Beckenboden beziehungsweise Verschlussmechanismus der Harnröhre sein.
  • Dranginkontinenz: Sehr plötzlich entsteht ein kaum kontrollierbarer Harndrang. Die Toilette wird mitunter nicht mehr rechtzeitig erreicht. Der Urinverlust hängt nicht zwingend davon ab, wie voll die Blase ist.
  • Mischinkontinenz: Belastungs- und Drangsymptome treten gemeinsam auf.
  • Überlaufinkontinenz: Die Blase entleert sich nicht vollständig und bleibt stark gefüllt. Dadurch kann Urin ungewollt abgehen. Ein möglicher Auslöser bei Männern ist beispielsweise eine vergrößerte Prostata. 

Daneben gibt es unter anderem neurogene Formen, bei denen Störungen oder Erkrankungen des Nervensystems eine Rolle spielen, sowie seltenere Formen wie eine Fistel- beziehungsweise extraurethrale Inkontinenz. Deshalb sollte die individuelle Diagnose nicht allein anhand einer Liste von Symptomen gestellt werden. 
 
Bei einer Stuhlinkontinenz sieht die Einteilung anders aus. Manche Menschen spüren starken Stuhldrang, schaffen es aber nicht rechtzeitig zur Toilette. Andere verlieren Stuhl, ohne den Abgang vorher deutlich wahrzunehmen. Auch Mischformen können vorkommen. 

Ursachen für Inkontinenz

Inkontinenz ist kein eigenständiges Problem mit immer derselben Ursache. Vielmehr kann das Zusammenspiel von Muskulatur, Nerven, Organen und Beckenboden an unterschiedlichen Stellen gestört sein. 

Mögliche Ursachen und begünstigende Faktoren bei Harninkontinenz sind zum Beispiel:

  • Schwäche oder Schädigung des Beckenbodens
  • Schwangerschaft und vaginale Geburten
  • Veränderungen nach den Wechseljahren
  • Operationen im Beckenbereich oder an der Prostata
  • eine vergrößerte Prostata
  • Störungen der Blasenentleerung
  • wiederkehrende Harnwegsinfektionen
  • neurologische Erkrankungen wie Multiple Sklerose oder Parkinson
  • Nervenschädigungen, beispielsweise bei Diabetes
  • bestimmte Medikamente
  • starkes Übergewicht
  • chronischer Husten beziehungsweise eine dauerhafte Belastung des Beckenbodens. 
     

Bei Stuhlinkontinenz kommen unter anderem infrage:

  • Schädigungen oder Verletzungen der Schließmuskulatur
  • Veränderungen nach Schwangerschaft und Geburt
  • Störungen des Beckenbodens
  • Nervenschädigungen oder neurologische Erkrankungen
  • sehr weicher Stuhl beziehungsweise chronischer Durchfall
  • ausgeprägte Verstopfung mit Entleerungsproblemen
  • Veränderungen des Enddarms
  • ein Rektumprolaps
  • Folgen von Operationen oder anderen Erkrankungen des Darms
     

Gerade die Stuhlkonsistenz wird dabei leicht übersehen: Sehr dünner Stuhl ist wesentlich schwieriger zurückzuhalten als gut geformter Stuhl. Umgekehrt kann auch eine ausgeprägte Verstopfung zu Problemen mit der Kontinenz beitragen. 

Behandlungen, Therapien und chirurgische Eingriffe

Was ist das beste Mittel gegen Inkontinenz? Darauf gibt es keine pauschale Antwort. Die passende Behandlung hängt von der Form, der Ursache, der Stärke der Beschwerden und Deiner persönlichen Situation ab.

Oft beginnt die Behandlung zunächst konservativ, also ohne Operation. Bei Harninkontinenz können je nach Diagnose beispielsweise infrage kommen:

  • gezieltes Beckenbodentraining
  • Blasen- oder Toilettentraining
  • Physiotherapie
  • Veränderungen bestimmter Gewohnheiten
  • Behandlung von Verstopfung oder anderen begleitenden Erkrankungen
  • Medikamente
  • bei Frauen in bestimmten Situationen lokale Östrogentherapie
  • Pessare bei bestimmten Formen der Belastungsinkontinenz
  • Biofeedback oder Elektrostimulation 

Bei einer überaktiven Blase beziehungsweise Dranginkontinenz können zusätzlich Medikamente eingesetzt werden. Bleiben andere Maßnahmen ohne ausreichenden Erfolg, kommt bei geeigneten Patientinnen und Patienten beispielsweise auch eine Behandlung mit Botulinumtoxin – auch besser bekannt als Botox - infrage. 
 
Auch bei Stuhlinkontinenz steht häufig zunächst eine konservative Behandlung im Vordergrund. 

Wann wird bei Inkontinenz operiert?

Eine Operation kann unter anderem dann diskutiert werden, wenn:

  • konservative Behandlungen nicht ausreichend helfen,
  • der Leidensdruck weiterhin hoch ist,
  • eine anatomische Veränderung oder Verletzung vorliegt, die sich operativ behandeln lässt,
  • oder die jeweilige Form der Inkontinenz besonders gut auf ein bestimmtes Verfahren anspricht. 

Gut zu wissen: Eine Operation ist nicht der Maßstab dafür, wie „schlimm“ eine Inkontinenz ist. Auch eine nicht operierbare oder nicht operationsbedürftige Inkontinenz kann den Alltag stark belasten – und verdient eine passende Behandlung.

Welche Arztpraxis ist die erste Anlaufstelle für die Diagnostik?

Du musst nicht selbst herausfinden, ob Deine Beschwerden von Muskeln, Nerven, Blase, Darm oder Beckenboden ausgehen. Genau dafür ist die medizinische Diagnostik da. 
Welche Praxis als Einstieg besonders sinnvoll ist, hängt vor allem davon ab, ob Urin oder Stuhl ungewollt abgeht und welche weiteren Beschwerden auftreten.

Harninkontinenz

Bei ungewolltem Urinverlust kannst Du Dich grundsätzlich an Deine Hausarztpraxis, eine urologische Praxis oder – als Frau – auch an Deine gynäkologische Praxis wenden. Urologie und Gynäkologie können Form und mögliche Ursache einer Harninkontinenz genauer untersuchen und die weitere Therapie einleiten. 
 
Am Anfang steht normalerweise ein ausführliches Gespräch. Dabei geht es beispielsweise darum:

  • Wann tritt der Urinverlust auf?
  • Beim Husten und Niesen oder zusammen mit starkem Harndrang?
  • Wie oft passiert es?
  • Wie häufig gehst Du zur Toilette?
  • Musst Du auch nachts häufig Wasser lassen?
  • Hast Du das Gefühl, dass Deine Blase vollständig leer wird? 

Ein Miktions- oder Blasentagebuch kann dabei wertvolle Hinweise geben. Darin werden über mehrere Tage beispielsweise Trinkmenge, Toilettengänge, Urinmenge, Harndrang und ungewollte Urinverluste festgehalten. Was die Urinfarbe über Deine Blasengesundheit verrät, erfährst Du in diesem Artikel.  

Stuhlinkontinenz

Wenn Du Stuhl nicht mehr zuverlässig halten kannst, immer wieder Stuhlspuren in der Unterwäsche bemerkst oder Stuhldrang kaum kontrollieren kannst, ist eine Proktologin oder ein Proktologe ein wichtiger spezialisierter Ansprechpartner. Auch die Hausarztpraxis kann zunächst eine Einschätzung vornehmen und die weitere Abklärung organisieren. 
 
Zur Diagnostik gehören zunächst die genaue Krankengeschichte und eine körperliche beziehungsweise anorektale Untersuchung. Je nach Beschwerden und Verdachtsdiagnose können weitere Untersuchungen notwendig werden, etwa

  • Proktoskopie beziehungsweise Untersuchung des Enddarms,
  • anorektale Manometrie zur Messung von Druck und Funktion,
  • Ultraschall des Schließmuskels,
  • bildgebende Untersuchungen des Beckenbodens,
  • oder bei entsprechender Fragestellung eine Darmspiegelung. 

Den richtigen Spezialisten finden

Hausarzt, Urologe, Proktologe, Gynäkologin oder Beckenbodenzentrum – ein guter Orientierungspunkt ist die Frage: Welches Organ beziehungsweise welcher Bereich macht sich bemerkbar?

Urologin / Urologe

Die Urologie beschäftigt sich mit Nieren, Harnleitern, Blase und Harnröhre – und zwar bei Männern und Frauen. Beim Mann gehört zusätzlich das männliche Genitalsystem einschließlich der Prostata zum Fachgebiet. 
 
Wenn es um Harninkontinenz oder andere Beschwerden der Blase und Harnwege geht, ist die Urologie deshalb eine der wichtigsten Fachrichtungen. Die Uniklinik Köln behandelt beispielsweise ausdrücklich sowohl männliche als auch weibliche Formen der Harninkontinenz. 

Bei welchen Anzeichen gehe ich zum Urologen?

Ein Termin in einer urologischen Praxis ist insbesondere sinnvoll, wenn Du beispielsweise

  • ungewollt Urin verlierst,
  • einen ungewöhnlich starken oder häufigen Harndrang hast,
  • Deine Blase nicht richtig entleeren kannst,
  • nach einer Prostataoperation Urin verlierst,
  • wiederholt Harnwegsinfektionen bekommst,
  • Schmerzen oder Brennen beim Wasserlassen hast,
  • Veränderungen beim Wasserlassen bemerkst,
  • oder Blut im Urin siehst. 

Als Mann oder Frau zum Urologen?

Beides. Die Vorstellung, Urologie sei eine reine „Männerarztpraxis“, hält sich zwar hartnäckig, ist aber falsch. 
 
Frauen können sich genauso bei Blasenschwäche, wiederkehrenden Harnwegsinfekten, Problemen bei der Blasenentleerung oder anderen Erkrankungen der Harnwege an eine Urologin oder einen Urologen wenden. Je nach Beschwerden kann zusätzlich oder alternativ die Gynäkologie sinnvoll sein. 
 
Und wie sieht es bei jungen Männern aus? Du musst nicht ein bestimmtes Alter erreichen, um mit Beschwerden zum Urologen zu gehen. Auch mit 20 ist ein urologischer Termin sinnvoll, wenn Du Symptome hast. Ein routinemäßiger Urologiebesuch allein aufgrund des Alters ist dagegen etwas anderes: Die gesetzliche Krebsfrüherkennung für Prostata und äußere Genitalien beginnt für Männer in Deutschland derzeit ab 45 Jahren. Bei besonderen Risiken kann eine frühere individuelle Beratung sinnvoll sein. 

Proktologin / Proktologe

Die Proktologie konzentriert sich auf Erkrankungen und Funktionsstörungen von After, Mastdarm, Kontinenzorgan und Beckenboden. Damit ist sie insbesondere bei Stuhlinkontinenz und Beschwerden im Analbereich eine wichtige Adresse. 

Bei welchen Anzeichen gehe ich zum Proktologen?

Eine proktologische Abklärung ist beispielsweise sinnvoll bei

  • ungewolltem Verlust von Stuhl,
  • Stuhlschmieren oder wiederkehrenden Stuhlspuren in der Unterwäsche,
  • Schwierigkeiten, Darmgase zurückzuhalten,
  • sehr starkem oder kaum kontrollierbarem Stuhldrang,
  • Problemen bei der Darmentleerung,
  • Schmerzen am After,
  • Blutungen,
  • Juckreiz oder Nässen,
  • tastbaren Veränderungen oder Schwellungen,
  • oder dem Gefühl, dass Gewebe aus dem After hervortritt.

Gerade bei einer Stuhlinkontinenz geht es nicht nur darum festzustellen, dass Stuhl verloren geht. Entscheidend ist herauszufinden, warum das passiert – beispielsweise aufgrund des Schließmuskels, des Beckenbodens, einer Nervenschädigung, einer Entleerungsstörung oder einer anderen Erkrankung. 

Auch als Frau zum Proktologen?

Proktologie ist keine Männer- oder Frauenmedizin. 
 
Gerade bei Frauen können Schwangerschaften, Geburten und Veränderungen des Beckenbodens eine Rolle bei später auftretenden Kontinenz- oder Entleerungsproblemen spielen. Weil Blase, Geschlechtsorgane, Beckenboden und Enddarm räumlich und funktionell eng miteinander verbunden sind, überschneiden sich Proktologie und Gynäkologie bei manchen Beschwerden. 

Wie läuft der erste Termin ab?

Meist beginnt der Termin mit einem ausführlichen Gespräch über Deine Beschwerden und deren Verlauf. Danach kann der Analbereich von außen untersucht und der Enddarm vorsichtig abgetastet werden. Abhängig von Deinen Beschwerden können weitere Untersuchungen folgen. 
 
Wenn Du genauer wissen möchtest, was Dich erwartet und wie Du Dich vorbereiten kannst, findest Du dazu ausführliche Informationen in unserem Beitrag „Der kranke Darm: Wann gehe ich zum Proktologen?“

Gynäkologin / Gynäkologe

Für Frauen kann die gynäkologische Praxis eine sehr gute erste Anlaufstelle bei Harninkontinenz und Beckenbodenbeschwerden sein – insbesondere, wenn gleichzeitig Senkungsbeschwerden bestehen oder die Probleme im Zusammenhang mit Schwangerschaft, Geburt oder Wechseljahren aufgetreten sind. Die gültige Leitlinie zur Harninkontinenz der Frau umfasst sowohl Diagnostik als auch konservative und operative Behandlungsmöglichkeiten. 

Auch während der Periode?

Mit Beschwerden kannst Du grundsätzlich auch während Deiner Periode einen Termin in der gynäkologischen Praxis wahrnehmen. Ob eine bestimmte geplante Untersuchung an diesem Tag sinnvoll durchgeführt werden kann, hängt jedoch vom Anlass ab. 
 
Geht es um akute Beschwerden oder Inkontinenz, solltest Du einen notwendigen Arzttermin nicht allein wegen Deiner Menstruation aufschieben. Wenn Du unsicher bist, kannst Du vorher kurz in der Praxis nachfragen. 

Regelmäßige Vorsorge

Die gynäkologische Früherkennung ist von einer Untersuchung wegen konkreter Inkontinenzbeschwerden zu unterscheiden. Beschwerden darfst Du jederzeit ansprechen – unabhängig davon, wann Deine nächste Vorsorge vorgesehen ist. 
 
Für gesetzlich versicherte Frauen gilt beim Gebärmutterhalskrebs-Screening derzeit:

  • ab 20 Jahren: jährlich eine klinische gynäkologische Untersuchung
  • 20 bis 34 Jahre: zusätzlich einmal jährlich ein Pap-Abstrich
  • ab 35 Jahren: alle drei Jahre eine Kombination aus HPV-Test und Pap-Abstrich; die klinische gynäkologische Untersuchung kann weiterhin jährlich wahrgenommen werden. 

Die Rolle von Kontinenz- und Beckenbodenzentren

Manchmal lässt sich ein Problem nicht sauber in „Blase“ oder „Darm“ einordnen. Vielleicht besteht gleichzeitig eine Senkung, vielleicht gab es bereits Operationen oder Geburten, vielleicht betrifft die Funktionsstörung mehrere Bereiche des Beckenbodens. 
 
Genau für solche Situationen sind Kontinenz- und Beckenbodenzentren besonders interessant. 
 
Zertifizierte Zentren sind interdisziplinär aufgebaut. Die Deutsche Kontinenz Gesellschaft beschreibt ihre Aufgaben mit Prävention, Diagnostik, konservativer und operativer Therapie sowie Rehabilitation. An der Zertifizierung sind unter anderem Fachgesellschaften aus Gynäkologie, Urologie, Viszeralchirurgie und Koloproktologie beteiligt. 
 
Die Deutsche Kontinenz Gesellschaft führt eine aktuelle Übersicht zertifizierter Kontinenz- und Beckenbodenzentren.

Diagnose

Der Vorteil eines Beckenbodenzentrums liegt vor allem darin, dass Beschwerden nicht nur aus Sicht eines einzelnen Organs betrachtet werden. 
 
Je nach Zentrum können beispielsweise Fachleute aus:

  • Urologie
  • Gynäkologie
  • Proktologie beziehungsweise Viszeralchirurgie
  • Innerer Medizin
  • Radiologie
  • Neurologie
  • Physiotherapie und spezialisierten Pflegeberufen

zusammenarbeiten.  

Behandlung

Abhängig von Diagnose und Beschwerden können dort konservative und operative Möglichkeiten miteinander abgestimmt werden. Dazu gehören beispielsweise Physiotherapie und Beckenbodentraining, Blasen- oder Darmmanagement, Medikamente, spezielle funktionelle Therapien sowie – wenn erforderlich – operative Verfahren.

Der Weg zum Spezialisten

Ist klar, welche Fachrichtung infrage kommt, bleibt oft noch eine ganz praktische Frage: Kann ich dort einfach einen Termin machen – oder muss ich erst in die Hausarztpraxis?

Ohne Überweisung zum Urologen?

In Deutschland können gesetzlich Versicherte grundsätzlich auch direkt eine niedergelassene urologische Praxis aufsuchen. Urologie gehört nicht zu den Fachrichtungen, bei denen generell immer eine Überweisung vorgeschrieben ist. 
 
Wenn Du für einen dringenden Facharzttermin den Terminservice der 116117 nutzen möchtest, kann ebenfalls ein Überweisungs- beziehungsweise Vermittlungscode erforderlich sein. Für Frauenarzttermine gelten beim Terminservice andere Regeln.

Erst Hausarzt, dann Proktologe?

Auch bei proktologischen Beschwerden kann die Hausarztpraxis ein guter Einstieg sein – sie muss aber nicht automatisch die einzige erste Station sein. 
 
Wenn Deine Beschwerden eindeutig den After, Enddarm oder die Stuhlkontinenz betreffen und Du eine entsprechende Fachpraxis gefunden hast, kannst Du Dich bei einer niedergelassenen Praxis erkundigen und einen Termin vereinbaren. Ob eine Überweisung benötigt wird, hängt unter anderem von Praxis, Versorgungsform und Versicherung ab. Für eine ambulante Behandlung im Krankenhaus wird dagegen häufig eine Überweisung benötigt. 

Gynäkologe oder Urologe?

Gerade Frauen mit Blasenschwäche stellen sich häufig diese Frage. Die Antwort lautet: Beides kann richtig sein. Du kannst auch einfach in der Fachrichtung beginnen, in der Du Dich gut aufgehoben fühlst. 
 
Als grobe Orientierung:

  • Harninkontinenz ohne weitere gynäkologische Beschwerden: Urologie ist eine passende Anlaufstelle.
  • Harninkontinenz zusammen mit Senkungsbeschwerden, Beschwerden nach Schwangerschaft oder Geburt oder anderen gynäkologischen Veränderungen: Gynäkologie beziehungsweise Urogynäkologie kann besonders sinnvoll sein.
  • Wiederkehrende Harnwegsinfekte, Probleme bei der Blasenentleerung oder andere Erkrankungen der Harnwege: Urologie.
  • Blase und Beckenboden sind komplex betroffen: Kontinenz- und Beckenbodenzentrum. 

Fazit

Wenn plötzlich Urin oder Stuhl ungewollt abgeht, muss Dein erster Gedanke nicht lauten: „Welcher Spezialist ist hundertprozentig der richtige?“ Viel wichtiger ist, die Beschwerden überhaupt medizinisch abklären zu lassen. 

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