Der kranke Darm: Wann gehe ich zum Proktologen?

Über Beschwerden am After oder Probleme mit dem Stuhlgang sprechen? Viele Menschen kostet das Überwindung. Erst recht, wenn Stuhl ungewollt abgeht, die Unterwäsche häufiger verschmutzt ist oder plötzlich die Sorge entsteht, den Darm nicht mehr zuverlässig kontrollieren zu können. 
 
Dabei sind genau solche Beschwerden ein Fall für die Proktologie. Und je früher geklärt wird, was dahintersteckt, desto eher kann eine passende Behandlung beginnen. 
 
Wann solltest Du also zum Proktologen gehen? Kurz gesagt: Immer dann, wenn Du Beschwerden rund um After, Mastdarm, Stuhlentleerung oder Stuhlkontinenz bemerkst, die wiederkehren, länger anhalten oder Dich im Alltag belasten.

Ein Proktologe erklärt anhand eines Enddarm-Modells etwas für einen Patienten

Was macht ein Proktologe?

Ein Proktologe oder eine Proktologin ist auf Erkrankungen und Funktionsstörungen rund um Mastdarm, After, Kontinenzorgan und Beckenboden spezialisiert. 
 
Typische Beschwerden und Erkrankungen, die in der Proktologie behandelt werden, sind:

  • Hämorrhoiden
  • Analfissuren, Abszesse und Fisteln
  • Probleme bei der Stuhlentleerung
  • Stuhlinkontinenz und Stuhlschmieren
  • Anal- oder Rektumprolaps
  • Hautveränderungen rund um den After
  • gut- und bösartige Veränderungen im Anal- und Enddarmbereich 
     
    Gerade bei Stuhlinkontinenz arbeitet die Proktologie häufig mit anderen Fachrichtungen zusammen – zum Beispiel mit Gastroenterologie, Gynäkologie, Urologie, Viszeralchirurgie oder spezialisierten Beckenbodenzentren. 
     
    Der Unterschied zur Gastroenterologie lässt sich vereinfacht so zusammenfassen: Die Gastroenterologie betrachtet das gesamte Verdauungssystem. Die Proktologie konzentriert sich besonders auf den letzten Darmabschnitt und die Strukturen, die für eine kontrollierte Stuhlentleerung wichtig sind. 

Was sind proktologische Beschwerden und Erkrankungen?

Nicht jedes Jucken oder Brennen am After ist automatisch ein Grund zur Sorge. Werden Beschwerden jedoch stärker, kehren sie immer wieder oder bleiben länger bestehen, solltest Du sie ärztlich abklären lassen. 
 
Typische Gründe für einen Termin beim Proktologen sind:

  • Blut am Toilettenpapier oder im Stuhl
  • Schmerzen beim oder nach dem Stuhlgang
  • Juckreiz, Brennen oder Nässen am After
  • Knoten, Schwellungen oder andere tastbare Veränderungen
  • Schleim oder auffälliger Ausfluss
  • Probleme bei der Darmentleerung
  • starker oder plötzlich auftretender Stuhldrang
  • Stuhlschmieren oder Stuhlspuren in der Unterwäsche
  • ungewollter Verlust von Darmgasen oder Stuhl 
     
    Wichtig: Hinter ähnlichen Beschwerden können sehr unterschiedliche Ursachen stecken. Stuhlschmieren bedeutet beispielsweise nicht automatisch, dass eine ausgeprägte Stuhlinkontinenz vorliegt. Auch Hämorrhoiden oder eine unvollständige Entleerung können dafür verantwortlich sein. Eine proktologische Untersuchung schafft Klarheit. 

Hämorrhoiden

Hämorrhoiden hat jeder Mensch. Gemeint sind gut durchblutete Gefäßpolster im Bereich des Enddarms, die gemeinsam mit der Schließmuskulatur zum Feinverschluss des Afters beitragen. 
 
Erst wenn sich diese Polster vergrößern und Beschwerden verursachen, spricht man von einem Hämorrhoidalleiden. Typische Beschwerden können hellrote Blutungen, Juckreiz, Brennen, Nässen, ein Druck- oder Fremdkörpergefühl und Probleme mit der Feinkontinenz sein. Die Behandlung hängt davon ab, wie ausgeprägt das Hämorrhoidalleiden ist. Neben der Regulierung des Stuhlgangs kommen je nach Befund ambulante Verfahren wie eine Verödung oder Gummibandligatur infrage. Bei stärker ausgeprägten Befunden können operative Verfahren notwendig werden.

Analabszesse

Ein Analabszess ist eine Eiteransammlung im Gewebe rund um den After. Häufig macht er sich durch zunehmende Schmerzen, eine druckempfindliche Schwellung und Rötung bemerkbar. Manchmal kommen Fieber und ein allgemeines Krankheitsgefühl hinzu. 
 
Ein Analabszess muss ärztlich abgeklärt und häufig chirurgisch behandelt werden.

Analfisteln und Analfissuren

Die Begriffe klingen ähnlich, beschreiben aber zwei unterschiedliche Probleme. 
 
Eine Analfissur ist ein Einriss der empfindlichen Haut im Analkanal. Typisch sind starke, häufig brennende oder stechende Schmerzen während und nach dem Stuhlgang. Teilweise befindet sich hellrotes Blut am Toilettenpapier. Besonders harter Stuhl und starkes Pressen können eine Fissur begünstigen. 
 
Eine Analfistel ist dagegen eine krankhafte Verbindung zwischen dem Analkanal beziehungsweise Enddarm und der Haut.  
 
Beide Erkrankungen gehören in proktologische Hände. Welche Behandlung notwendig ist, hängt davon ab, was genau vorliegt und wie ausgeprägt der Befund ist.

Darmtumore

Auch gutartige oder bösartige Veränderungen des Mastdarms (auch Rektum genannt) und des Analbereichs können im Rahmen einer proktologischen Untersuchung entdeckt werden. Der Mastdarm ist der 15 bis 20 Zentimeter lange letzte Abschnitt des Dickdarms vor dem After. 
 
Bei einem auffälligen Befund veranlasst die Proktologin oder der Proktologe weitere Untersuchungen oder überweist Dich an die entsprechende Fachabteilung. 

Stuhlinkontinenz

Stuhlinkontinenz bedeutet, dass Darmgase, flüssiger oder fester Stuhl nicht immer sicher zurückgehalten werden können. Die Ausprägung kann sehr unterschiedlich sein. 
 
Manche Betroffene bemerken gelegentlich Stuhlspuren in der Unterwäsche. Andere müssen bei Stuhldrang sofort eine Toilette erreichen. Wieder andere verlieren Stuhl, ohne es rechtzeitig zu bemerken. 
 
Stuhlinkontinenz kann verschiedene Ursachen haben. Das Kontinenzorgan besteht nicht nur aus einem einzelnen Schließmuskel. Schließmuskulatur, Beckenboden, Nerven, Mastdarm, Stuhlkonsistenz und die Wahrnehmung des Stuhldrangs müssen zusammenspielen. Ist eine dieser Komponenten gestört, kann sich das auf die Kontinenz auswirken. 
 
Mögliche Ursachen reichen von Veränderungen oder Verletzungen des Schließmuskels über Beckenbodenschwäche und Nervenschädigungen bis hin zu chronischem Durchfall, ausgeprägter Verstopfung, Entleerungsstörungen oder einem Rektumprolaps.

Genau hier spielt die Proktologie eine wichtige Rolle: Sie kann untersuchen, warum Stuhl nicht mehr zuverlässig gehalten werden kann. Denn eine Stuhlinkontinenz ist keine Diagnose, die automatisch zu einer einzigen Behandlung führt. Entscheidend ist ihre Ursache.

Anal- und Rektumprolaps

Bei einem Prolaps senkt sich Gewebe ab oder tritt aus dem After hervor. Beim Rektumprolaps betrifft dies den Mastdarm; je nach Ausprägung kann lediglich Schleimhaut oder ein größerer Teil des Rektums beteiligt sein. 
 
Ein Prolaps kann das Kontinenzorgan beeinträchtigen und deshalb mit Stuhlinkontinenz zusammenhängen. Eine proktologische Untersuchung hilft dabei, Ausmaß und Ursache zu beurteilen und zu klären, welche Behandlung sinnvoll ist.

Wenn der Darm gesund ist

Damit wir Stuhl kontrolliert ausscheiden können, müssen erstaunlich viele Vorgänge zusammenspielen. 
 
Im Dünndarm wird ein großer Teil der Nährstoffe aufgenommen. Im Dickdarm wird dem Darminhalt unter anderem Wasser entzogen. Anschließend gelangt der Stuhl in Richtung Mastdarm. Dort wird er gespeichert, bis Dehnungsreize den Stuhldrang auslösen. 
 
Für die Kontinenz sind unter anderem Mastdarm, innerer und äußerer Schließmuskel, Beckenboden, Nerven und die Hämorrhoidalpolster wichtig. Funktioniert dieses Zusammenspiel nicht mehr richtig, können sowohl Entleerungsstörungen als auch Stuhlinkontinenz entstehen.

Der perfekte Stuhlgang

Wie oft „normal“ ist, lässt sich nicht an einer einzigen Zahl festmachen. Die Häufigkeit des Stuhlgangs unterscheidet sich von Mensch zu Mensch. 
 
Wichtiger ist, ob sich Dein persönlicher Rhythmus plötzlich verändert, ob Du regelmäßig stark pressen musst, Schmerzen hast, das Gefühl einer unvollständigen Entleerung bestehen bleibt oder Du Deinen Stuhl nicht mehr zuverlässig kontrollieren kannst. 
 
Auch die Konsistenz spielt eine Rolle. Sehr harter Stuhl kann unter anderem Fissuren und Entleerungsprobleme begünstigen. Sehr dünner Stuhl wiederum ist schwieriger zurückzuhalten und kann eine bestehende Kontinenzschwäche deutlicher bemerkbar machen. Ein Expertinnen-Interview zur „perfekten Wurst“ findest Du in diesem Artikel.

Welche Behandlungen führt ein Proktologe durch?

Die proktologische Behandlung richtet sich nicht nach dem Symptom allein, sondern nach seiner Ursache. Gerade deshalb steht am Anfang meist eine genaue Diagnostik. 
 
Bei Stuhlinkontinenz ist das Behandlungsspektrum besonders breit. Je nach Ursache können unter anderem eine Regulierung der Stuhlkonsistenz, Beckenbodentherapie, gezieltes Schließmuskeltraining oder Biofeedback sinnvoll sein. Bei bestimmten Befunden kommen weiterführende oder operative Therapieverfahren infrage. 
 
Der entscheidende Punkt: Nicht jede Stuhlinkontinenz wird auf gleiche Weise behandelt. Erst wenn bekannt ist, ob beispielsweise die Stuhlkonsistenz, der Schließmuskel, der Beckenboden, die Nerven oder eine anatomische Veränderung das Problem verursacht, lässt sich eine passende Therapie auswählen. 
 
Zur Diagnostik stehen der Proktologie je nach Fragestellung unterschiedliche Untersuchungsmethoden zur Verfügung. Dazu zählen unter anderem die Tastuntersuchung, Proktoskopie und Rektoskopie sowie bei speziellen Fragestellungen Untersuchungen der Schließmuskelfunktion oder bildgebende Verfahren. 

Proktoskopie

Bei einer Proktoskopie wird der Analkanal mit einem kurzen, röhrenförmigen Untersuchungsinstrument – dem Proktoskop – von innen betrachtet. So können zum Beispiel Hämorrhoiden, Schleimhautveränderungen, Entzündungen oder andere Auffälligkeiten im Analbereich erkannt werden. Die Untersuchung dauert meist nur wenige Minuten. Die Rektoskopie geht etwas weiter:

Rektoskopie

Bei einer Rektoskopie wird der Mastdarm mit einem entsprechenden Untersuchungsinstrument von innen betrachtet. Dadurch lassen sich Veränderungen der Schleimhaut erkennen und genauer beurteilen.  
 
Nicht zu verwechseln ist die Rektoskopie mit einer vollständigen Darmspiegelung – der Koloskopie. Ob eine weiterführende Untersuchung des Dickdarms notwendig ist, entscheidet sich anhand Deiner Beschwerden, Deiner Vorgeschichte und der bisherigen Befunde.

Wann solltest Du zum Proktologen gehen?

Du musst nicht warten, bis Beschwerden „schlimm genug“ sind. 
 
Ein Termin ist sinnvoll, wenn Du wiederholt Blut am Toilettenpapier oder im Stuhl bemerkst, Schmerzen beim Stuhlgang hast, Juckreiz oder Nässen nicht verschwinden, Du einen Knoten oder eine Schwellung am After bemerkst oder das Gefühl hast, Deinen Darm nicht mehr vollständig entleeren zu können. 
 
Auch Veränderungen der Kontinenz gehören dazu: Stuhlspuren in der Unterwäsche, plötzlich extrem starker Stuhldrang, ungewollter Abgang von Darmgasen oder Stuhl oder das Gefühl, Deinem Darm nicht mehr vertrauen zu können, sind gute Gründe für eine Untersuchung. 
 
Gerade bei Stuhlinkontinenz gilt: Du musst nicht erst einen bestimmten „Schweregrad“ erreichen. Wenn das Problem Deinen Alltag, Deine Freizeit, Deine Partnerschaft oder Dein Sicherheitsgefühl beeinflusst, ist es relevant genug, darüber zu sprechen. 

Der erste Termin

Was passiert eigentlich, wenn Du zum ersten Mal beim Proktologen bist? 
 
In der Regel beginnt der Termin nicht sofort mit einer Untersuchung, sondern mit einem Gespräch. Die Ärztin oder der Arzt möchte zunächst verstehen, welche Beschwerden Du hast, wann sie auftreten und wie sie sich entwickelt haben. 
 
Bei Problemen mit der Stuhlkontinenz können beispielsweise Fragen wichtig sein wie: Kannst Du Darmgase zurückhalten? Geht flüssiger oder fester Stuhl verloren? Spürst Du den Stuhldrang rechtzeitig? Musst Du sehr plötzlich zur Toilette? Bleiben nach dem Toilettengang Stuhlreste zurück? Hast Du häufiger Durchfall oder Verstopfung? 
 
Auch frühere Operationen, Erkrankungen, Medikamente und bei Frauen Schwangerschaften und Geburten können für die Einordnung wichtig sein. 
 
Anschließend wird der Analbereich normalerweise zunächst von außen betrachtet. Danach kann eine digital-rektale Untersuchung folgen. „Digital“ bedeutet hier übrigens nicht elektronisch: Der Begriff leitet sich vom lateinischen digitus für Finger ab. Mit einem behandschuhten, gleitfähig gemachten Finger wird der Enddarm vorsichtig ertastet. 
 
Dabei lassen sich beispielsweise Veränderungen im Gewebe beurteilen und erste Hinweise auf die Funktion der Schließmuskulatur gewinnen. Die digitale Untersuchung gehört zur proktologischen Basisdiagnostik. 

Je nach Beschwerden können anschließend eine Proktoskopie oder eine Rektoskopie folgen.

Wie sieht eine gute Vorbereitung aus?

Für einen normalen Termin beim Proktologen ist meist keine aufwendige Vorbereitung nötig. Entscheidend ist vor allem, dass Du die Hinweise der jeweiligen Praxis beachtest.

Tipps zur Vorbereitung:

  • Sag bei der Terminvereinbarung kurz, welche Beschwerden Du hast. So kann die Praxis einschätzen, welche Untersuchung wahrscheinlich notwendig ist.
  • Eine komplette Darmreinigung ist normalerweise nicht erforderlich. Falls der Enddarm vor einer bestimmten Untersuchung entleert werden soll, informiert Dich die Praxis darüber.
  • Normale Körperpflege reicht aus. Starkes Reinigen, aggressive Seifen oder intensives Reiben können die empfindliche Haut zusätzlich reizen.
  • Essen und Trinken sind vor einer normalen proktologischen Untersuchung meist möglich. Für eine Koloskopie oder bestimmte Eingriffe gelten andere Regeln.
  • Bring eine Liste Deiner Medikamente und Allergien mit. Besonders wichtig sind Informationen über gerinnungshemmende Medikamente.
  • Bei Stuhlinkontinenz kann ein Stuhltagebuch hilfreich sein. Notiere zum Beispiel Häufigkeit und Konsistenz des Stuhlgangs sowie Situationen, in denen starker Drang oder ungewollter Stuhlverlust auftreten. 

Was vielen durch den Kopf geht…

„Was, wenn ich während der Untersuchung Stuhl verliere?“

„Was, wenn ich nicht sauber genug bin?“ 

„Tut die Untersuchung weh?“ 

„Ist mein Problem vielleicht peinlich?“ 

Solche Gedanken sind nachvollziehbar – und genau sie führen leider oft dazu, dass Beschwerden lange verschwiegen werden. 
 
Für eine proktologische Praxis gehören Stuhl, Blut, Schleim, Hautveränderungen und Probleme mit der Kontinenz zum medizinischen Alltag. Du musst also weder versuchen, Deine Beschwerden harmloser darzustellen, noch Dich für sie entschuldigen. 
 
Und auch eine perfekte „Vorbereitung“ wird nicht erwartet. Schließlich gehst Du genau deshalb in die Praxis, weil in diesem Körperbereich etwas nicht so funktioniert, wie Du es gewohnt bist. 
 
Wenn Du Angst vor Schmerzen hast, sag das zu Beginn der Untersuchung. Gerade bei einer schmerzhaften Fissur, einem Abszess oder einer akuten Entzündung kann die Untersuchung entsprechend vorsichtig angepasst werden. 
 
Zu wissen, welcher Schritt als Nächstes folgt, kann ebenfalls helfen. Du darfst jederzeit nachfragen und darum bitten, dass Dir die Untersuchung erklärt wird. 

Ist die Proktologie auch für Frauen zuständig?

Ja. Proktologische Erkrankungen betreffen Menschen unabhängig vom Geschlecht. Frauen können sich mit Hämorrhoiden, Fissuren, Stuhlentleerungsproblemen, Stuhlinkontinenz oder anderen Beschwerden genauso direkt an eine proktologische Praxis wenden. 
 
Gerade bei Frauen gibt es allerdings einige Beschwerden, bei denen Proktologie und Gynäkologie eng miteinander verbunden sind. Grund dafür ist die anatomische Nähe von Darm, Scheide, Blase und Beckenboden. 
 
Deshalb kann es je nach Problem sinnvoll sein, dass mehrere Fachrichtungen zusammenarbeiten. 

Überschneidungen zur Gynäkologie

Darm, Scheide, Blase und Beckenboden liegen anatomisch eng beieinander. Deshalb lassen sich manche Beschwerden nicht eindeutig nur einem Fachgebiet zuordnen. 
 
Eine Zusammenarbeit von Gynäkologie und Proktologie kann insbesondere sinnvoll sein bei:

  • Beckenbodensenkungen
  • Problemen bei der Darmentleerung
  • Stuhlinkontinenz
  • Beschwerden nach Schwangerschaft oder Geburt 
     

Bei komplexen Beckenbodenproblemen können zusätzlich Urologie, Viszeralchirurgie und spezialisierte Physiotherapie eingebunden werden. Was ein Urologe genau macht, erfährst Du hier.

Nach der Schwangerschaft – der Beckenboden

Schwangerschaft und Geburt können Muskeln, Bindegewebe und Nerven des Beckenbodens stark beanspruchen. Besonders nach vaginalen Geburten kann auch die Schließmuskulatur betroffen sein. 
 
Mögliche Folgen sind beispielsweise:

Rückbildung und gezieltes Beckenbodentraining können helfen. Treten jedoch Stuhlverluste oder deutliche Probleme mit der Darmkontrolle auf, sollte zusätzlich ärztlich abgeklärt werden, ob beispielsweise eine Verletzung, Senkung oder andere Funktionsstörung vorliegt. 

Bei Stuhlinkontinenz

Bei Stuhlinkontinenz kann die gynäkologische Praxis eine erste Anlaufstelle sein – besonders dann, wenn die Beschwerden nach Schwangerschaft oder Geburt auftreten. Für die gezielte Untersuchung von After, Mastdarm und Kontinenzorgan ist häufig zusätzlich eine proktologische Abklärung sinnvoll. 
 
Je nach Beschwerden können dabei untersucht werden:

  • die Funktion der Schließmuskulatur
  • die Anatomie von Schließmuskel und Beckenboden
  • mögliche Senkungen oder Verletzungen
  • Störungen der Darmentleerung

Bei komplexeren Beschwerden arbeiten deshalb häufig mehrere Fachrichtungen in einem Beckenbodenzentrum zusammen. 
 
Und wichtig: Stuhlinkontinenz betrifft nicht nur Frauen. Auch Männer können durch Erkrankungen, Operationen, Nervenschädigungen oder Veränderungen des Beckenbodens betroffen sein. 

Jetzt sollte eine Untersuchung nicht aufgeschoben werden

Viele proktologische Beschwerden sind gut behandelbar und nicht akut gefährlich. Es gibt jedoch Symptome, bei denen Du die ärztliche Abklärung nicht unnötig hinauszögern solltest: 
 
wiederkehrende oder stärkere Blutungen aus dem After, Blut im Stuhl oder sehr dunkler beziehungsweise schwarzer Stuhl; starke oder deutlich zunehmende Schmerzen, insbesondere zusammen mit einer Schwellung oder Fieber; neu aufgetretene tastbare Veränderungen oder Knoten; länger anhaltende Veränderungen des Stuhlgangs; ungewollter Gewichtsverlust oder anhaltendes Fieber; neu auftretende oder deutlich zunehmende Stuhlinkontinenz sowie Beschwerden, die Deinen Alltag zunehmend einschränken. 
 
Bei stärkeren Blutungen, Kreislaufproblemen, starken akuten Schmerzen oder einem deutlich beeinträchtigten Allgemeinzustand solltest Du nicht auf einen regulären Praxistermin warten, sondern zeitnah medizinische Hilfe suchen. 
 
Und für alle anderen Beschwerden gilt: Du musst nicht erst warten, bis das Problem unerträglich wird. 
 
Ein Proktologe oder eine Proktologin beschäftigt sich jeden Tag mit genau den Themen, die vielen Menschen unangenehm sind. Für Dich mag der erste Satz im Behandlungszimmer Überwindung kosten. Für die Ärztin oder den Arzt ist er der Beginn einer ganz normalen medizinischen Untersuchung. 
 
Vor allem bei Stuhlinkontinenz kann dieser erste Satz viel verändern. Denn erst wenn die Ursache bekannt ist, lässt sich gezielt etwas dagegen tun.

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