Neurogene Blase: Wenn die Signalleitung zur Blase gestört ist
Stell Dir vor, Dein Körper ist ein Haus, dessen Funktionen von elektrischen Leitungen gesteuert werden. Jede Lampe, jeder Schalter und jede Steckdose funktioniert nur, wenn der Strom ungehindert fließt. Doch was passiert, wenn irgendwo ein Kabel durchtrennt oder der Stromkreis gestört ist? Plötzlich gehen Lichter an und aus, ohne dass Du den Schalter betätigst. Oder es bleibt dunkel, obwohl Du versuchst, das Licht einzuschalten. Ähnlich verhält es sich mit der neurogenen Blase: Hier sind die Leitungen zwischen Gehirn und Blase unterbrochen, was dazu führt, dass die Blase Signale nicht richtig empfängt oder weitergibt. Doch was genau bedeutet das?

Die neurogene Blase
Als neurogene Blase werden Funktionsstörungen der Blase bezeichnet, die durch Schäden oder Probleme im Nervensystem verursacht werden. Sie bewirken, dass die Blase den Urin nicht mehr richtig speichert oder sich nicht mehr korrekt entleert. Normalerweise steuert Dein Gehirn über das Rückenmark und die peripheren Nerven, wie die Blase sich füllt und wann sie entleert werden soll. Ist diese Kommunikation gestört, kann die Blase entweder überaktiv werden und sich unkontrolliert entleeren, oder sie wird „schlaff“ und speichert den Urin, ohne ihn ordnungsgemäß abzugeben. Neben der reinen Inkontinenz treten hierbei auch häufiger Harndrang oder Schwierigkeiten beim vollständigen Entleeren der Blase auf.
Ursachen der neurogenen Blase
Eine der häufigsten Ursachen für eine neurogene Blase ist eine Schädigung des Rückenmarks, etwa durch eine Verletzung. Aber auch verschiedene neurologische Erkrankungen wie Multiple Sklerose, Parkinson und Schlaganfälle können die Nerven und Signalwege beeinträchtigen und zu einer neurogenen Blase führen. Bei Kindern können angeborene Erkrankungen wie Spina bifida die Ursache sein. Hier sind Rückenmark und Nerven von Geburt an geschädigt und verursachen langfristig Probleme mit der Blasenkontrolle. Eine weitere Ursache können chronischer Diabetes oder zu hohe Blutzuckerwerte sein. Beides kann im Laufe der Zeit Nervenschäden verursachen, die die Blasenfunktion beeinträchtigen.
Verletzungen oder Erkrankungen des Gehirns wie Schlaganfälle oder Gehirntumore können ebenfalls die Blasensteuerung beeinträchtigen und zu einer neurogenen Blase führen. Sehr seltene, aber ernsthafte Erkrankungen des peripheren Nervensystems wie das Guillain-Barré-Syndrom oder schwere Genitalherpesinfektionen können die Nervenbahnen ebenfalls erheblich beeinträchtigen.
Symptome einer neurogenen Blase
Es gibt zwei Hauptformen der neurogenen Blase: Die spastische Blase (hyperaktive Blase) und die schlaffe Blase (hypoaktive Blase).
- Bei der spastischen Blase gehören häufiger, plötzlicher Harndrang und unkontrollierte Blasenentleerung (Reflexinkontinenz) zu den Symptomen. Zudem sind kleine Urinmengen pro Entleerung typisch.
- Bei der schlaffen Blase hingegen sind seltenes Wasserlassen, das Gefühl einer unvollständigen Entleerung sowie Harnverhalt – also die Unfähigkeit, die Blase zu entleeren – symptomatisch, was zudem das Risiko von Infektionen erhöht.
Diagnose
Die Diagnose und Behandlung dieser Erkrankung sind entscheidend, um den Betroffenen zu helfen, ihre Lebensqualität zu verbessern. Wenn Ursache und Diagnose noch unklar sind, ist die erste Anlaufstelle in der Regel die Hausarztpraxis oder der Urologe beziehungsweise die Urologin. In einigen Fällen kann es notwendig sein, auch andere Spezialisten oder Spezialistinnen zu konsultieren wie zum Beispiel einen Neurologen oder eine Neurologin.
Die Diagnose einer neurogenen Blase erfolgt in mehreren Schritten: Nach einer Anamnese des Patienten oder der Patientin wird in der Regel eine körperliche Untersuchung durchgeführt, um andere Ursachen für die Symptome auszuschließen. Mithilfe von sogenannten urodynamischen Tests können der Druck in der Blase und die Fähigkeit, Urin zu halten und abzugeben, gemessen werden. Diese Tests helfen dabei, das genaue Funktionsniveau der Blase zu beurteilen. In einigen Fällen können eine Ultraschalluntersuchung oder andere bildgebende Verfahren eingesetzt werden, um die anatomischen Gegebenheiten der Blase und der umgebenden Organe zu überprüfen. Auch Blut- und Urinuntersuchungen können helfen, Infektionen oder andere medizinische Probleme auszuschließen. Ein Neurologe oder eine Neurologin können umfassende neurologische Untersuchungen durchführen wie die Beurteilung der Reflexe, der Muskelkraft und der sensorischen Funktion, um neurologische Defizite zu identifizieren.
Therapie
Sind Symptome und Ursachen weitestgehend abgeklärt, gibt es verschiedene Therapieansätze: Zunächst kann eine medikamentöse Therapie in Form von Anticholinergika eingesetzt werden, um die Blasenaktivität zu reduzieren und die Symptome einer spastischen Blase zu lindern. Bei einer schlaffen Blase können andere Medikamente helfen, die Blasenentleerung zu unterstützen. In jedem Fall sollten Betroffene spezielles, von einer Fachkraft angeleitetes Beckenbodentraining oder andere physiotherapeutische Maßnahmen ergreifen, um ihre Muskulatur zu stärken und die Blasenfunktion zu verbessern. Auch ein Blasentraining kann Betroffenen helfen, Techniken zu lernen, um den Harndrang besser zu kontrollieren und die Blasenentleerung zu optimieren.
Ein weiterer Umgang kann die sogenannte intermittierende Selbstkatheterisierung sein. Bei dieser Methode wird selbstständig ein Katheter in die Harnröhre eingeführt, um die Blase zu entleeren. Dies wird mehrmals täglich durchgeführt und der Katheter nach der Blasenentleerung sofort wieder entfernt. Diese Methode ermöglicht es den Betroffenen, die Blase regelmäßig selbst zu entleeren, um eine Überdehnung zu vermeiden und das Risiko von Harnwegsinfektionen zu reduzieren. Schlagen die genannten Therapien nicht an, gibt es zudem die Möglichkeit, mit einem kleinen Schrittmacher das Wasserlassen zu steuern. Dieser wird operativ eingesetzt und sendet Impulse an den sogenannten Sakralnerv, der mit der Blase „kommuniziert“. Der Eingriff ist minimalinvasiv und daher recht unkompliziert und harmlos. Hinzukommen diverse andere chirurgische Eingriffe, die zum Beispiel den Schließmuskel der Blase behandeln.
Natürlich bedeutet eine neurogene Blase für Betroffene schwerwiegende Einschränkungen. Steht die Diagnose aber erst mal fest, sind Facharztpraxen und Kontinenzzentren vielversprechende Anlaufstellen mit passenden Therapiemöglichkeiten, um Symptome zu lindern und entsprechende Hilfen zur Verfügung zu stellen.
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